Von Tag zu Tag : Berlin vaflucht

Robert Ide über Helga Hahnemann und die alten Konsens-Ickes.

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Hahnemann
HahnemannFoto: picture-alliance / dpa/dpaweb

Als Harald Juhnke starb, schrieb der Tagesspiegel: Über das Gesicht Berlins läuft heute eine dicke Träne. Wenn Berlin heute noch ein Gesicht haben sollte (und nicht viele), und dahinter einen Kopf, der sich erinnern kann, wie zerfurcht dieses Gesicht einmal durch seine Teilung war, dann würde über diese unsere Haut heute eine kleine Träne der Rührung rollen. Denn Helga Hahnemann, die Harald Juhnke aus Ost-Berlin, wäre heute 75 Jahre alt geworden.

Wo is mein Jeld bloß jeblieben? Hundat Mal hab ick Berlin vaflucht. Jetzt kommt Dein Süßer ... Das war ihr volkstümliches Liedgut, mit dem das Plapper- und Leckermäulchen aus Pankow sogar die Hitparaden beim Feindsender Rias erstürmte. In ihren Kessel Buntes aus dem Friedrichstadtpalast schauten auch viele West-Berliner mal gerne rein. 1991 starb Helga Hahnemann an Lungenkrebs.

Volkstümlichkeit in Berlin geht heute ganz anders: Flaschenbier am Hals, Hornbrille vorm Gesicht, bloß nich’ berlinan. Die Konsens-Ickes vom Fernsehschirm haben sich in ihre Kleingärten zurückgezogen, oder sie sind dahingeschieden. Wenn das keine Träne wert ist.

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