Von Tag zu Tag : Berliner Spezialitäten für die Unesco

Unser Autor Stefan Jacobs überlegt sich, welche Berliner Spezialitäten für das Unesco-Erbe in Frage kommen könnten.

von
Das Unesco-Hauptquartier in Paris.
Das Unesco-Hauptquartier in Paris.Foto: dpa/picture-alliance

Wichtige Nachricht aus der Rubrik „Wir sind die Dicksten“: Die Unesco hat die zweite bundesweite Bewerbungsrunde fürs Verzeichnis der immateriellen Kulturgüter gestartet. Bevor jetzt jemand „Weiße mit Schuss!“ ruft: es geht um Dinge, die man nicht kaufen kann, sondern einfach hat. Das trifft zwar auch auf die Masernwelle infolge chronischer Impfmüdigkeit zu, aber die Unesco bevorzugt Erbauliches, wie Beispiele aus der Bestandsliste zeigen: Malchower Volksfest (McPom), Reetdachdecker-Handwerk (Waterkant), Salzwirker-Bruderschaft (Halle/Saale), Finkenmanöver (Harz). Viel Lokalkolorit, manch Überregionales – aber noch nichts Berlinisches steht auf der Liste mit ihren bisher 27 Positionen. Mit einem zugedrückten Auge könnten  zwar „Singen der Lieder der deutschen Arbeiterbewegung“ (Willy-Brandt-Haus) und „Schwäbisch-Alemannische Fastnacht“ (Prenzlauer Berg) gelten, aber Parallelgesellschaften sind nicht im Fokus.

Bewerben sollen sich „Gemeinschaften, Gruppen und gegebenenfalls Einzelpersonen, die eine kulturelle Ausdrucksform im Sinne des Unesco-Übereinkommens zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes praktizieren“. Wichtig ist außerdem: „Die Tradition muss Identität stiften und Zugehörigkeit vermitteln.“ Bierbiker und Trabi- Safaristen dürften Chancen haben, auch Radwegparker mit ihrem identitätsstiftenden „Mir kann keener“. Infrage käme auch die Verkehrslenkung, die es ja auch eher nicht kann. Flughafenbauer und -aufsichtsräte können sich auch bewerben, denn so etwas wie den BER gibt’s wirklich nicht überall – und ohne Unesco-Siegel glaubt doch 2020ff. niemand mehr, dass diese Nummer wirklich wahr ist.

Bewerbungen sind bis Oktober bei der zuständigen Kulturverwaltung einzureichen. Die leitet sie dann an die Verkehrslenkung … – nee, war nur Spaß.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben