Von Tag zu Tag : Bescherungen im Wahlkampf

Wie ist das eigentlich mit Wahlkampfgeschenken dieses Jahr? Unser Autor begrüßt eine Eberesche, die den Wahlkampf der Grünen einläutete.

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So ähnlich wie ihre Artgenossin sieht die Eberesche am Kollwitzplatz aus. Foto: picture-alliance / dpa
So ähnlich wie ihre Artgenossin sieht die Eberesche am Kollwitzplatz aus.Foto: picture-alliance / dpa

Kinder aus günstigen Familienverhältnissen kennen den Zusammenhang zwischen Dauer der Festlichkeiten und Wachstum des Geschenkebergs: Während sich Weihnachten in großer Runde die Erwachsenen eher vorher abstimmen, was sie den Kleinen schenken und was sie sich lieber schenken, entfällt das beim zeitlichen Familiensplitting: Heiligabend bei Mama, am 25. bei Papa und seiner Neuen, am 26. bei Oma Ilse und zwischen den Jahren weiter zu Opa Horst und Tante Trudi …

Das lohnt sich, materiell zumindest. Aber wie sind wir darauf gekommen? Moment … – Ah, hier: Wahlkampfgeschenke. Fällt die Bescherung in diesem Jahr womöglich aus, weil zwischen Ferienende und Wahltermin nur zwei Wochen liegen? Was bedeutet das für die Kugelschreiberindustrie in China? Und wie wirkt es sich auf die Abfallbilanz in Berlin aus?

Unter der Eberesche

Über diese Fragen kann man seit Montagabend im spärlichen Schatten einer Eberesche nachdenken, die die Grünen an den Kollwitzplatz gepflanzt haben. Als Wahlkampfgeschenk! Sie mussten so früh anfangen, weil sie den Baum schon vor Wochen gekauft hatten. Seitdem wurde er in einem Kleingarten in Rosenthal gelagert, bis ihn am Montag ein Lastenrad des von der Grünen-Fraktion kürzlich mit dem Umweltpreis „Grüne Brise“ geehrten … – egal. Jetzt steht die Eberesche jedenfalls da, nachdem sie eigentlich an die dringender bedürftige Eberswalder Straße sollte, die aber vom Grünflächenamt für zu lebensfeindlich befunden wurde.

Die Pflanzung war übrigens Auftakt zu einer Grünen-Kampagne zum Thema saubere Luft. Was die roten Beeren am Baum zu bedeuten haben, überlassen wir mal den Vögeln. Weitere Gute-Luft-Termine mit lokalen Direktkandidaten sollen folgen. Sollten auch sie Bäume mitbringen, kann der Wahlkampf gern ewig dauern.

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