Von Tag zu Tag : Besser betteln

Johannes Schneider sinniert über das Geben und Empfangen

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Es wäre mal die Mühe wert, das auszutesten: wie viel ein Mensch, der einen Tag über im Innenstadtbereich Berlins seinen Geschäften nachgeht, ausgäbe, legte er in jede Dose, die unter seine Nase gehalten wird, 50 Cent. Auch ohne weitergehende Empirie lässt sich vermuten, dass am Ende ein mittlerer zweistelliger Euro-Betrag stünde.

Auch deshalb lernen Berliner Passanten schnell, gezielt zu spenden. Man gibt, wenn überhaupt, für gute Musik, einen rasanten Auftritt oder aus wirklichem Mitleid. Was dabei immer stimmen muss, ist die höfliche und gewitzte Ansprache des Empfängers: Der Punk, der die Frage „Hast du zufällig mal etwas Kleingeld?“ taktisch geschickt just in dem Moment stellt, in dem ein Rückgeldregen in das Ausgabefach eines BVG-Automaten prasselt, hat sich sein Geld redlich verdient, im wahrsten Sinn des Wortes.

Genau diese Präzision, dieses Gespür für die richtige Geste am richtigen Ort, geht den Protagonisten der Plüschtierplage auf dem Pariser Platz ab. Wären sie doch wenigstens als Berliner Bären verkleidet, man hätte vielleicht etwas Geld übrig. So aber geben hoffentlich auch Touristen den Micky-Mäusen, was in einem solchen Fall zu geben ist: ein Lächeln, nicht mehr und nicht weniger.

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