Von Tag zu Tag : Blei vorbei

Bernd Matthies erinnert an die Avus, und wie sie uns mal erregte

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Im Dezember 1990 muss das Wetter besser gewesen sein. Hätten sonst erboste Bleifüßler immer wieder die Tempo-100-Schilder auf der Avus geklaut? Unser Blick ins Archiv (Seite 12) führt 20 Jahre zurück, aber in eine andere Welt. Denn wer kann sich schon noch genau erinnern, wie das damals war, als das Vollgasfahren zwischen Funkturm und Nikolassee eine Art unveräußerliches Menschenrecht zu sein schien? Wie schnell sich die Lage änderte, zeigte sich in der Person Volker Hassemers, der damals aus der Opposition gegen die Neuregelung wetterte – und sie wenig später, zum Umweltsenator gereift, still bestehen ließ …

Davon mal abgesehen: Was ist überhaupt seitdem aus der Avus geworden? Eine Rübenpiste, auf der die Leute klaglos 60 fahren, weil es sie sonst aus dem Sitz haut. Von der Freiheit des Automenschen zu sprechen, verbietet sich in diesem Zusammenhang schon deshalb, weil die Strecke in den letzten Jahren während der Stoßzeiten sowieso zum Großparkplatz geworden ist, den Ortskundige weiträumig ignorieren.

Das liegt nicht nur an den Touristenmillionen. Berlin hat sich seit 1990 krass verändert, egal, ob mit oder ohne Schnee obendrauf. Voller ist es geworden, aber auch irgendwie gelassener.

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