Von Tag zu Tag : Blitz und Donner

Andreas Conrad findet Feuerwerke einfach viel zu laut

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Zu den klassischen Konfliktfeldern einer Familie gehört der Lärm. Man stelle sich einen adoleszierenden Heavy-Metal-Fan vor, dem das Getöse gar nicht laut genug sein kann, aber als sozialer Mensch dreht er die Anlage nur auf das, was er für Zimmerlautstärke hält. Papa und Mama dagegen erscheint schon dies als infernalischer Lärm. Oder ein gemeinsamer TV-Abend erweist sich als unmöglich, weil das Hörvermögen altersbedingt unterschiedlich ausgeprägt ist: Die einen wollen den Apparat immer lauter, die anderen immer leiser drehen, bis der erste entnervt das Zimmer wechselt.

So ähnlich ist das in Berlin, nur erfüllen die Funktion der Zimmer hier die Kieze. Man stelle sich vor, das Feuerwerk der Pyro-Messe am Freitagabend auf dem alten Flughafen Tempelhof wäre direkt hinter den Vorgärten in Zehlendorf oder Westend gezündet worden. Die Telefone der Polizei wären binnen kurzem heiß gelaufen angesichts der gesammelten Empörung. Anders in der Umgebung des ehemaligen Flugfelds: nur bewundernswerte Gelassenheit. Kein Aufruhr in Tempelhof, keine Antilärmrevolte in Neukölln, keine Spontandemo in Kreuzberg. Absolut keine Proteste, so die Auskunft des Lagedienstes der Polizei. In Kreuzberg und Umgebung sind eben nicht nur die Nächte lang, man ist dort auch hart im Nehmen.

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