Von Tag zu Tag : Blitzmerker

Stefan Jacobs über Warnungen, die eine Katastrophe sind.

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Kennen Sie den schon: Warum wechselt die Anzeige bei neuen Smartphones automatisch zwischen Hoch- und Querformat? Na, damit man die Glatteiswarnungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) auch noch lesen kann, wenn man schon auf der Nase liegt. Jene, die mit Gipsbein oder kanzlerinnengleich gebrochener Hüfte zu Hause sitzen, müssen nicht mitlachen. Vielleicht haben sie das ja auch gestern schon getan, sofern sie zu den mehr als 20 000 Abonnenten des Unwetteralarms „Katwarn“ gehören. Der wird normalerweise vom DWD ausgelöst und kommt als SMS aufs Handy. Wenn er kommt: Gestern war es die an dem Modellprojekt beteiligte Feuerwehr, die die erste Wetterwarnung mit dem eisklaren Hinweis „Zu Hause bleiben“ verschickte. Das war um 10.35 Uhr, als der Feuerwehr vor lauter Gestürzten gerade die Rettungswagen ausgingen. Die „Amtliche Unwetterwarnung vor Glatteis“ des DWD folgte eine halbe Stunde später – und hat dann vielleicht noch jene Berliner überrascht, die auf Mallorca überwintern. Dafür durften die Hiergebliebenen staunen, als der Wetterdienst die Warnung kurz nach 13 Uhr wieder aufhob. Ja, die Hauptstraßen hatte die BSR schon gesalzen und manche Gehwege waren gestreut, aber an vielen Stellen konnte sich selbst ein Tausendfüßler kaum auf den Beinen halten.

Seit mehr als einem Jahr gibt es „Katwarn“, die Katastrophenwarnung. Die Katastrophe ist dabei die Warnung selbst: Bei Sturm „Xaver“ kam der Alarm, als den Leuten längst alles um die Ohren flog. Bei dem schweren Gewitter im Juni traf er zeitgleich mit der ersten Böe ein, obwohl die Unwetterfront für Meteorologen gut berechenbar herangezogen war. Hinter den zu späten Warnungen steckt offenbar die Logik des DWD, wonach eine Unwetterwarnung – nicht zu verwechseln mit „Wetterwarnung“ und „Warnung vor markantem Wetter“ sowie „Vorabinformation Unwetter“ – immer erst gegeben wird, wenn’s losgeht. Bloß gut, dass die Feuerwehr im Zweifel schneller ist und nicht nach zwei Stunden Feierabend macht.

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