Von Tag zu Tag : Clooney in Steglitz

Bernd Matthies erklärt den aktuellen Sachstand beim Tunnel-Coup.

von
Tsp

Kleine Prognose gefällig? Über den Steglitzer Tunnel-Coup werden Stadthistoriker auch noch in hundert Jahren reden, weil er so schön perfekt und mysteriös in der Kriminalstatistik herumsteht. Ob auch mal ein Film darüber gedreht wird – Volksbank’s Eleven? –, das ist indessen völlig offen, denn dafür müsste es ja irgendein Happy End mit Festnahme, Geständnis und den üblichen Zutaten geben.

Davon ist die Polizei aber im Moment wohl noch genauso weit entfernt wie am ersten Tag nach dem Einbruch. Die Täter haben polnische Stützwinkel benutzt, also können sie Polen sein – oder zum Beispiel Hessen, die in Polen eingekauft haben. Sie haben einen holländischen Ausweis vorgelegt, also können sie Holländer sein. Oder genau das nicht. Oder gerade deshalb doch. Oder ...

Sicher ist dagegen, dass der jüngst von der Polizei gesuchte Mann, dessen Foto auf einem gefälschten Ausweis prangte, nichts mit dem spektakulären Bruch zu tun hat. Es handelt sich um einen unbescholtenen bayerischen Lehrer, der seinen eigenen Ausweis verloren hatte. Vorher war schon ein Student unter Verdacht geraten, dessen Foto die Einbrecher aus dem Internet geklaut hatten. Die Polizeiermittler ahnen wohl bei jedem neuen Fahndungsschritt längst, dass auch der wieder nur in eine neue Sackgasse führt.

Noch mysteriöser als dieser professionell geschneiderte Tarnvorhang ist weiterhin nur die Frage: Warum das Ganze? Immer noch ist vollkommen unklar, weshalb Einbrecher monatelang mit riesigem Aufwand im Steglitzer Boden herumwühlen, um dann nur, anscheinend wahllos, ein paar hundert Schließfächer zu knacken. Bauleute mit derartigen technisch-logistischen Fähigkeiten könnten auf dem Flughafen BER ähnlich viel Geld verdienen, und das vollkommen legal.

Also, was nun? Russenmafia? Geheimdienste? Bitte, NSA: Wenn ihr die Lösung kennt, gebt sie uns, gern auch anonym. Wäre doch schade um den schönen Film.

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