Von Tag zu Tag : Cohen II

Helmut Schümann freut sich über weiche Herzen an der O2-Arena

Helmut Schümann

Vergangenen Sonnabend wollte Frau Doktor Lorenz zum Konzert von Leonard Cohen. Oh, was hatte sie sich gefreut, vor 14 Jahren hatte sie den Sänger schon einmal im alten Tempodrom erleben dürfen. Frau Lorenz hatte ihr Ticket und das für ihren Bekannten in einen Briefumschlag gesteckt, und den hielt sie in der Hand, als sie den S-Bahnhof Lichterfelde Ost betrat, so wie das mancher macht, wenn er voller Vorfreude ist. Drei junge Burschen kamen vorbei, auf Rädern, und einer riss ihr den Umschlag aus der Hand. Frau Lorenz fuhr dennoch zu Halle. Sie sprach einen Türsteher an. Der Hüne sagte: „Was soll ich machen? Ich hole meine Chefin.“ Die Chefin sagte: „Was soll ich machen? Ich hole den Veranstalter.“ Ein Mann vom Concertbüro Zahlmann kam, umringt von Bodyguards. Der Mann sagte: „Und wenn Sie 20 Jahre jünger wären und zu Metallica wollten, ich würde Ihnen nicht glauben. Jetzt muss ich Ihnen wohl glauben.“ Und so kam es, dass Frau Doktor Lorenz und ihr Bekannter glückselig in Reihe zwölf des Parketts saßen und dem „Halleluja“ lauschten. Ein Halleluja auf die weichen Herzen an der kalten Arena. „...then we take Berlin.“

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar