Berlin : Von Tag zu Tag: Der Mann mit dem Bauhelm

Dipl. Ing. H.c. van Lessen

Er hat einen Bauhelm. Weißlackiert, mit vier Luftlöchern und einer Schraube links und rechts. Ein Geschenk von Irgendwem. Nur so, denn er ist keiner vom Bau.

Aber es gibt Tage, da möchte er einer sein. Weil er neugierig auf Baustellen ist und ein Helm dort zur Ausstattung gehört. Mit Helm schaute er während des Baus in Autobahntunnel, saß im Plenarsaal des Reichstagsgebäudes auf der Regierungsbank, als dort noch Handwerker regierten. Mit Bauarbeitern durchstreifte er manches Ministerium.

Gestern war wieder so ein Tag, an dem er es wissen wollte, ist doch die Diskussion um die Sicherheit von Bundesbauten neu entbrannt. Er nahm sich das künftige Kanzleramt vor, das kurz vor der Fertigstellung steht, setzte den Helm auf und ging durch eine Lücke am ersten Bauzaun vorbei. Wie bestellt kamen Bauarbeiter vorbei. Er reihte sich ein. Aber kurz vorm Kanzler-Eingang stand ein Sicherheitsmann. Jeder Bauarbeiter hielt einen Ausweis in die Höhe. Seiner sah anders aus. Der Sicherheitsmann blickte erstaunt und stellte sich in den Weg.

Auch ringsum standen überall dezente Zäune, und dezent patrouillierten die Leute vom Bundesgrenzschutz. So schlenderte er Richtung Reichstag und vergaß den Helm auf dem Kopf. Unterwegs grüßten ihn Bauarbeiter, einer setzte den Helm auf. Ein Radfahrer hielt an und wollte wissen, ob der Ehrenhof vorm neuen Kanzleramt so scheußlich geteert bleibt und wann der Kanzler einzieht. Dann sprach ihn eine Touristengruppe vorm Reichstag an: "Herr Bauleiter, was sind das für Gebäude dort drüben?"

Es wurde Zeit, den Helm abzunehmen. Bis zum nächsten Ausflug. Der zum Kanzleramt war enttäuschend - aber auch beruhigend.

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