Berlin : Von Tag zu Tag: Die Kasse brennt

Jörg Königsdorf

Feuersbrünste sind tragische Ereignisse, denen immer wieder mal ein Opernhaus zum Opfer fällt. Das Liceu in Barcelona und Venedigs La Fenice zum Beispiel, die gerade dank der Spendenbereitschaft der Stadtbürger in neuer Pracht wieder aufgebaut wurden oder werden. Spanische und italienische Touristen, die es dieser Tage zum Kulturkaufhaus Dussmann verschlägt, wissen demnach vermutlich, wie groß so ein Verlust für eine Stadt ist und werden bereitwillig eine Spende für die Lindenoper geben.

Denn auch Berlins Traditionshaus brennt. So verkünden es jedenfalls die Buttons und Aufkleber der Staatsoper, die dort am Informationstresen im Erdgeschoss gegen eine Schutzgebühr von einer Mark zu erwerben sind. "Es brennt! Retten Sie die Staatsoper!" steht darauf, illustriert von einem Bild, das den Knobelsdorff-Bau in hellen Flammen zeigt. Wer sein Scherflein entrichtet hat und anschließend die Linden entlang spaziert, steht allerdings bald vor einem Opernhaus, aus dem nicht das kleinste Rauchwölkchen dringt. Zuletzt, verrät ein Blick in den Stadtführer, wurde die einstige Hofoper durch den Bombenhagel im Zweiten Weltkrieg zerstört. Sind die Aufkleber vielleicht Überbleibsel der Wiederaufbau-Aktion Anfang der fünfziger Jahre und werden jetzt einfach als Nostalgie-Artikel verramscht? Oder ist sich die Staatsoper sicher, dass es aufgrund des maroden Gebäudes ohnehin bald wieder zu einem Brand kommen wird und sammelt vorweg? Die Lösung ist viel einfacher: Es brennt nur mal wieder in der Kasse. Doch wer mit einem 100-Millionen-Etat nicht auskommt, ist sowieso nicht zu retten.

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