Berlin : Von Tag zu Tag: Die Nullnummer

Klaus Kurpjuweit

Wir wissen ja schon lange, dass die BVG am besten funktionieren würde, wenn es keine Fahrgäste gäbe. Doch die Berliner haben etwas gegen den reibungslosen Betrieb der Anstalt. Tag für Tag steigen rund eine Million Menschen nur mit der Absicht in die U-Bahn, die BVG zu ärgern.

Dabei hat die sich doch schon viel einfallen lassen, um das Ziel mit null Fahrgästen zu erreichen. Gut sind da immer wieder Preiserhöhungen, wie sie erst jetzt wieder beschlossen wurden. Dumm fürs schlechte Image ist nur, dass die Tarifänderungen zum ersten Mal seit Jahren auch mit einigen Preissenkungen verbunden sind, vor allem bei den Schülern. Auch Gelegenheitsfahrer sollen mit neuen Angeboten gelockt werden. Da muss man doch gegensteuern, damit die Bahnen nicht plötzlich doch voller werden!

Deshalb geht es jetzt richtig zur Sache. Für "Nightlinesurfer" - ja, so nennt die BVG ihre 68-seitige Hochglanzbroschüre für Kinogänger wirklich - hat sie Tipps für einen gelungenen Abend zusammengestellt.

Nach Ansicht der BVG ist "lästiges U-Bahnfahren" nicht erforderlich. Hoppla! So klar hat die BVG bisher nie formuliert, was sie von sich hält. Und weil man auch nach dem schönsten Kneipenbesuch irgendwann doch nach Hause muss, haben die cleveren BVG-Strategen sich gleich noch was einfallen lassen, um ihr Ziel (siehe oben) zu erreichen. Auf der Karte für die "Nightlinesurfer" vom Potsdamer Platz haben sie die U-Bahnhöfe Potsdamer Platz und Mendelssohn-Bartholdy-Park erst gar nicht eingezeichnet. Ein Herz haben sie auch für die Kollegen vom Bus. Informationen zu den Nachtlinien N 5 und N 52 fehlen ebenfalls. So langsam dürfte die Kampagne ziehen.

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