Berlin : Von Tag zu Tag: Die Oma fürs Grobe

Ekkehard Schwerk

Zuzeiten hat einer für einen anderen in die Bresche zu springen. In einem schlauen Buch steht, dass das germanische brekan für brechen ins Romanische übernommen und in Frankreich zu breche (Bruch, Lücke) wurde. Wir machten uns das Wort Bresche mundgerecht und meinen damit ebenfalls die Lücke. Und wir lassen in eine solch springen. Im Anfang war das Wort auf kriegerischen Angriff und Verteidigung gemünzt, auf die unverhofft von Belagerern in eine Festungsmauer geschlagene Lücke, die es, da der Verteidiger gefallen war, nun eilends zu schließen galt, indem ein anderer einsprang.

Auch im friedlichsten Alltag sind wir, wo immer wir auch stehen oder sitzen, darauf angewiesen, dass jemand einspringt, wo jemand anderes aus triftigen Gründen passen muss, damit - von Tag zu Tag - an gewohntem Platz zur Stelle ist, woran sich viele gewöhnt haben. Wie es eine Familie gewohnt ist, im Notfall auf eine "Oma fürs Grobe" zurückzugreifen, die über dieser Familie als verkörperter Segen ruht. Ein Brief zeigt uns, dass es so eine gibt. Eine, die gelenkig in die Bresche springt, zur Stelle ist, wenn Not am Manne ist. Denn an diesem ist von Natur aus Not. Weil ja Frauen in der Regel länger leben als Männer. So zeigt sich, dass ein markiger Begriff wie die Bresche eine kriegerische Herkunft hatte, die Lücke in einer Festungsmauer. Erst Frauen gaben - auch hier - der groben Bresche eine brauchbare Bedeutung. Es lebe die "Oma fürs Grobe"!

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