Berlin : Von Tag zu Tag: Diplomatenjagd

Elisabeth Binder

Was darf die Frau eines Botschafters? Diese Frage gehört zu den Small-Talk-Hits dieses Wochenendes. Hintergrund: Die temperamentvolle Shawne Borer-Fielding ließ sich als Texas-Girl im ehrwürdigen Schweizer Botschaftsgebäude ablichten. Normalerweise erwartet man von der Frau eines Botschafters, dass sie sich makellos dezent benimmt und züchtig gekleidet geht.

Andererseits hat sich die Diplomatie verändert. Es geht nicht mehr so sehr darum, Kontakte zu schaffen zwischen den Ministerien, da ist das Internet längst schneller als jeder Botschafter. Es geht auch um Public Relations, damit ein Land im globalen Wettstreit gut da steht, damit man sich erinnert, wenn es um große Aufträge oder kleine Urlaubsreisen geht. Die Schweiz hat dieses Prinzip schon früh entdeckt.

Ist das nun Borderline-Diplomatie, wenn sich Botschafter Borer auf den Standpunkt stellt, er könne seiner Frau schließlich nicht vorschreiben, was sie zu tun und zu lassen hat? Es ist eher eine sehr zeitgemäße Haltung. Dazu passt gut die Tatsache, dass Shawne Borer-Fielding in einem öffentlichen dem Entschuldigungsbrief ganz allein die Verantwortung für ihr Handeln übernommen hat. Das Schweizer Boulevardblatt "Blick" hat seine Leser befragt, und 75 Prozent haben geantwortet, dass das Botschafterehepaar seine Sache gut mache. Gegenstand des Small-Talks ist übrigens auch die Sorge, der Botschafter könne abberufen werden. Auch diejenigen, die sich empören und Frau Borer-Fielding ins Party-Girl-Fach abschieben, freuen sich ja heimlich auf Fortsetzung einer Geschichte, die andere Länder beim Ringen um Aufmerksamkeit weit abgeschlagen zurücklässt.

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