Berlin : Von Tag zu Tag: Druschba!

Lothar Heinke

Wir telefonieren mal wieder mit der Botschaft der Russischen Föderation, haben zunächst mal klangvolle "Moskauer Nächte" statt blöder Sprüche im Ohr, um dann zu erfahren, dass es heute nix wird mit der Erfüllung von Sonderwünschen, denn "wir chaben cheute wegen Feiertag geschlooßen".

Nanu? Was ist los? Es rattert im Gehirn, zurück, zurück, war da nicht mal was? Empfang bei Abrassimow Unter den Linden! Staatsakt in der Staatsoper! Wodka! Kaviar und Kotschemassow! Kranzniederlegungen! Und unverbrüchliche Freundschaft, Druschba! Alle Jahre wieder am 7. November erinnerte der Jahrestag der Oktoberrevolution an den Genossen Lenin und seine Nachfahren, von denen einige Enkel und Urenkel gestern, als sich der Schuss des Panzerkreuzers Aurora zum 83. Mal jährte, über den Roten Platz marschierten.

Aber was feiern die denn nun, wo es doch auch in dem großen weiten Russenland so etwas wie eine friedliche Revolution samt Wende und freien Wahlen ohne 99,9 Prozent gegeben hat? Sie feiern seit vier Jahren den "Tag der Nationalen Versöhnung und Eintracht". Am 7. November.

Diese Russen mit ihren schwarzen Augen, diese Babuschkas und Balalaikas! Egal, wofür, warum und weshalb: Immer tanzen die Mädels vom Bolschoi locker ihren Schwanensee, während die deutschen Leitkulturhammel mit ihrem schwerblütigen Da-da-da-daaa aus tiefster Seele jahrelang um Mauern in Köpfen, um Namen und Begriffe streiten. Feiertag am 3. Oktober? Wieso eigentlich? Wäre der "Tag der Republik" am 7. Oktober nicht ein schöner Versöhnungs- und Eintrachtstag gewesen? Da war doch auch mal was? Von Russland lernen ...

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