Berlin : Von Tag zu Tag: Dunkle Seelen

Hans Toeppen

Ein paar Mark können ausreichen, oder Süßigkeiten. Am zweiten Weihnachtstag 1994 stieg ein achtjähriger Junge zu zwei Männern ins Auto, die ihn am Kollwitzplatz gesehen hatten. Das weinende Kind wurde in ihrer Wohnung missbraucht, kurze Zeit später war es tot. Solche Psychopathen sind unter uns, ständig.

Immer wieder, immer erneut bringt die Menschheit perverse Individuen hervor, die häufig erst auffallen, wenn es zu spät ist. Niemand kann etwas dagegen tun.

Manche werden zu Mördern. Und immer wieder entsteht unter dem Einfluss der Medien der Eindruck, wir hätten es mit einem einzigartigen Fall, einem grauenhaften, einem singulären, einem kaum beschreibbaren Verbrechen eines Erwachsenen an einem Kind zu tun - einer einzigartigen Verirrung der Natur und der menschlichen Psyche. Leider ist das falsch. Die meisten Kinder werden von Familienangehörigen oder Bekannten missbraucht und misshandelt.

Aber dann die Fremden: Es gehört sicher zu den sensibelsten Aufgaben von Eltern, ihren Kindern ein Gefühl dafür zu vermitteln, wozu die dunkle Seite in der erwachsenen Seele imstande ist. Diese dunkle Seite war immer in der Welt. Kinder sollen nicht misstrauisch gegenüber allen Menschen sein, aber man muss versuchen, sie gegen materielle Versuchungen zu feien. Und sie misstrauisch zu machen gegen fremde Schmeicheleien.

Und es fehlt an Gefühl für fremdes Leid. Was geht in den Menschen vor, die ihren Garten nicht noch einmal durchsuchen lassen wollen, wenn es um ein - vielleicht - ermordetes Kind geht. Es gibt nicht nur die schwarze Seele. Auch die graue ist schlimm.

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