Von Tag zu Tag : Ein Bild von Bär

Bernd Matthies über das Werden des neuen Knuts für die Nachwelt.

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Mensch, also wirklich. Ton! Trennbleche! Gips! Polyurethanschaum! Glasaugen! Dazu ein Fell, gereinigt mit Trichloräthylen oder irgendeinem anderen chemischen Zeugs, wie ein abgetragener Anzug. So technisch – und das Ergebnis soll nun am Ende Knut sein, die Plastik des kleinen Knuddelbärs, der doch zeitlebens zu hundert Prozent aus reiner, vollbiologischer Eisbärmasse bestanden hat?

Ohnehin lieben wir unseren Knut ja vorwiegend in der Welpenversion (sagt man das so?). Der schluffige graubraune Flegel, der aus ihm wurde, hat die Herzen dann doch merklich weniger erwärmt – aber in genau jener Version wird er nun im Naturkundemuseum aufgestellt werden. Klar, es war nun mal nur das eine Fell da. Und am Ende ist das viel besser als gar nichts.

Aber es gibt offenbar Fans, denen schon das zu weit geht. Man hört von einigen, die es lieber hätten, dass der Mensch sich überhaupt kein künstliches Bildnis mache vom Bären, der ihnen einst die Welt bedeutete. Eine Auffassung, die ein wenig in Richtung Religion geht und uns die Gründung des Knutismus fürchten lässt, möglicherweise lässt sich wenigstens das noch verhindern.

Denn immerhin gibt es ja im Zoo schon eine Knut-Erinnerung in Bronze. Sie steht dort, komischerweise ziemlich tief in Kniehöhe, als Blickfang nicht so überwältigend geeignet. Nichts gegen die aufwendigen Bemühungen des Naturkundemuseums, dem ein Dauer-Knut sicher auch ganz gut zu Gesicht steht – aber wäre der nachgebildete, ein wenig echte Alt-Knut nicht auch eine Bereicherung für den Zoo?

Warten wir ab. Der Test für die Beziehungsqualität zwischen Knut und seinen Fans wird darin bestehen, wie er künftig angenommen und besucht wird. Es sollte klappen: Knuffiger als die Dinosaurier im Museum ist er selbst in Graubraun allemal.

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