Berlin : Von Tag zu Tag: Eine Woche Liebe

Bernd Matthies

Man soll ja die Leute nie nach ihrer Kleidung beurteilen. Seit diesem 1. Mai ist beispielsweise bekannt, dass es neuerdings Designer-Chaoten gibt, die sich zum Landfriedensbrechen und Brandschatzen markenbewusst mit zweckmäßiger Eleganz kleiden - kein Gedanke mehr an selbstgestrickte schwarze T-Shirts zu mürben Jeans. Umgekehrt geht das Vorurteil über die Teilnehmer der Love Parade. Die tragen bekanntlich knappes Latex um den Leib, stecken sich ein halbes Pfund Schwermetall in die Zunge und schlecken damit Ecstasy wie unsereiner sein Magnum. Was sagt das über Geisteszustand und Privatleben? Nichts. Denn: Unter den Ravern sind "höchst konservative und planende Menschen".

Sagt die Kommission. Wenn deutsche Politiker nicht weiter wissen, gründen sie eine solche, deutsche Raver tun das auch, und deswegen gibt es jetzt in Berlin eine "Club Commission", die sich vorgenommen hat, die Love Parade endgültig zu regeln. Das hat sie auch geschafft, denn statt zwei Terminen gibt es endlich nur noch einen, und zwar den 14. bis 22. Juli. Die feierliche Deklaration der Kommission läuft im Wesentlichen auf eine Botschaft hinaus: Ihr Raver der Welt, kommt in diese Stadt! Und zwar eine gute Woche lang.

Ja, die Liebe und ihre konservativen Anhänger machen sich Berlin langsam untertan, sie überschwemmen sogar jene Demonstration, die gegen sie geplant wurde, und das alles im Zeichen von Friede, Freude und Eierkuchen. Kleiner Vorschlag an die Kommission: Könnte das alles im kommenden Jahr bitte schon am 1. Mai beginnen? Eine Million Raver am Mariannenplatz - das beste Mittel gegen jedes Krawall-Ritual.

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