Berlin : Von Tag zu Tag: Eisern einig

Lothar Heinke

Wir haben hin und her überlegt, wen wir zum Tag der Deutschen Einheit zum besten Wiedervereiniger in dieser Stadt erklären können - wer also legt an diesem Feiertag ganz besondere einheitsfördernde Gaben auf den Tisch der Berliner Republik? Bei wem können wir ganz spontan ausrufen: Jungs, det ist jut so? Wowereit? Gysi? Kohl? Merkel? Nein, wir reden nicht von Reden. Von Taten wird gesprochen. Und da fällt uns momentan nur einer ein: der 1. FC Union aus Berlin-Köpenick (Ost).

Der Fußballverein rennt von Sieg zu Sieg, gastiert per TV bei seinen Pokalspielen auch noch im letzten deutschen Wohnzimmer und steht jetzt schon mal auf einem Aufstiegsplatz. Wo soll das noch hinführen? Die Fans des Traditionsvereins aus Köpenick ließen Jahre und Jahrzehnte die Stadien von Stendal, Eisenhüttenstadt, Jena und Aue zittern - jetzt hallt ihr eiserner Schlachtruf durch Saarbrücken und Schweinfurt, Bielefeld und Mainz. Deutschland ist groß. 800 Unioner lernten in einem Sonderzug nach Mannheim unsere schöne deutsche Heimat kennen und lieben, und im Internet-Gästebuch des Vereins outen sich immer öfter Union-Fans aus Hamburg und Gelsenkirchen, Hannover und Osnabrück.

Die Multi-Kulti-Truppe aus der Wuhlheide spaltet nicht die Stadt, sie eint sie. Zum letzten internationalen Spiel im Jahn-Sportpark waren unter den 12 000 Zuschauern manche, die zum ersten Mal "die Dorfkicker aus dem Osten" betrachtet, beklatscht und schließlich angefeuert haben. Hier spielte nicht Köpenick oder Ost-Berlin - hier spielte Union Berlin, wie es mittlerweile in Tagesthemen und Heute-Journal ganz selbstverständlich heißt.

Genau so wollte es die Mannschaft immer haben: "Berlin, Berlin, Berlin!" skandieren die Fans bei den Auswärtsspielen. "Wir aus dem Osten gehn immer nach vorn" beginnt die Vereinshymne. Hertha bekommt Konkurrenz. Und das ist wirklich gut so.

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