Von Tag zu Tag : Es fremdelt

Christian van Lessen wundert sich über eine veränderte Stadt

Christian van Lessen

Irgendwas stimmt nicht: Die Leute ringsum auf den Straßen und Plätzen sprechen alle möglichen Sprachen und Dialekte, kaum noch den heimischen. Fragen fremdelnd an der Clayallee, wo es zur Karl-Marx-Allee geht. Die Reihen haben sich gelichtet. Touristen füllen, so gut es geht, die Lücken. In vielen Kaufhäusern findet Personal endlich Zeit, die wenigen Kunden zu bedienen. Es gibt Straßenzüge in Charlottenburg, Kreuzberg und Prenzlauer Berg, die geradezu ausgedünnt scheinen, wo abends noch wirkliche Parkplätze zu finden sind. Busse und Bahnen haben ganz offensichtlich viel freien Platz, vielleicht werden bald Züge abgehängt. Der neue Bus zwischen Bahnhof Nikolassee und Strandbad Wannsee ist gut gemeint wie schlecht besetzt, das liegt am Wetter. Seit die Streikposten vor öffentlichen Ämtern abgezogen sind, wirken etliche Gebäude geradezu verwaist. Wie im Dauerstreik. An Taxistellen herrscht Langeweile. Berlin hat sich, unmittelbar nach Urlaubsbeginn, von Berlinern entvölkert. Verdächtig schnell. Als hätten sie’s nicht mehr aushalten können. Aber umso schneller sind sie wieder zurück. Dann stimmt es wieder. Hoffentlich.

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