Berlin : Von Tag zu Tag: Es möge nützen

Lothar Heinke

Gestern war ja alles noch harmlos, ja, humorvoll: Wie Joachim Zeller seinen bärtigen Kopf hinhielt, damit ihm, dem nunmehro alleinigen Bürgermeister von Mitte, seine beiden Amtsbrüder von Wedding (Hans Nisblé) und Tiergarten (Jörn Jensen) die schweren güldenen Ketten ihrer Bezirke um den Hals legen konnten. Das Protokoll verzeichnete mittleren Beifall der Anwesenden.

Derlei Äußerlichkeiten mögen unter die Rubrik interne Begleiterscheinungen einer Bezirksfusion fallen. Schwerer wiegen da schon all die menschlichen Probleme, die mit dieser neuerlichen Verwaltungs-Revolution verbunden sind: Wie ist es einem Mann wie Herrn Nisblé eigentlich zumute, wenn der nicht uneitle vormalige SPD-Bürgermeister und jetzige Gesundheitsstadtrat seinem CDU-Konkurrenten die Weddinger Amtskette überstülpt, lächelnd! Der Mann ist seinen schönen Titel los, hat plötzlich einen Chef über sich, und sein Bezirksname ist futsch. Will Mitte überhaupt auch Wedding sein? Kommt sich der Bürgermeister nicht sehr komisch vor, wenn er, statt wie bisher in den blauen Neubau an der Karl-Marx-Allee, nunmehr zum Mathilde-Jacob-Platz 1 in den Dienst fährt? Wie kommen die Fachressorts mit diesem "Aus drei mach eins" zu Rande? Wer wird das Sagen haben? Bleibt jemand auf der Strecke? Wen wird es treffen? Und, das Wichtigste: Wie nimmt die Hauptperson, der verehrte Bürger und Steuerzahler, die Sache auf? Bringt sie ihm Vorteile? Erleichterung? Oder ist ihm am Ende schnurzpiepe, wie sein Bezirk heißt und wo er verwaltet wird?

Übrigens: Gestern wurde diese blöde Ost-West-Grenze aufgehoben - zwischen Mitte, Tiergarten und Wedding wie zwischen Friedrichshain und Kreuzberg. Auf dem Verwaltungswege. Von oben. Darauf einen Schluck Rotkäppchen. Oder Mumm. Oder beides. Es möge nützen!

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