Berlin : Von Tag zu Tag: Extremsegler

Andreas Conrad

Die moderne Zeit zeichne sich durch steigende Mobilität aus, heißt es. Das mag für uns Menschen stimmen, für die Zugvögel stimmt es oft nicht mehr. Wer unter Amsel, Drossel, Fink und Star hält sich eigentlich noch an das alte Kinderlied, macht sich im Herbst regelmäßig dünne und kehrt im Frühling ebenso zuverlässig zurück? Nun gut, die Schwalben überwintern hier noch nicht, aber wenn das so weitergeht mit der Klimaerwärmung, werden sie die beschwerliche Reise gen Süden wohl bald schon streichen.

Ein uraltes Sprichwort, kaum weniger populär als das besagte Liedchen, wäre davon berührt. Eine Schwalbe macht noch keinen Frühling?Selbstverständlich nicht, sollten einst die eleganten Flieger sogar zur Weihnachtszeit zu Dutzenden an unserer Nase vorbeizischen. Ersatz für die dann hinfällige Bauerregel wäre dringend geboten, an irgend etwas muss man sich doch festhalten können in diesen unsicheren Zeiten, in denen nicht einmal mehr auf Kinderlieder Verlass ist, von anderen vertrauten Gesetzmäßigkeiten ganz zu schweigen.

Hilfreich ist es da bisweilen, durch die Natur zu stapfen, und sei sie auch witterungsmäßig und überhaupt in gehöriger Konfusion. Die Fahrt vorbei am Großen Wannsee noch ohne besondere Vorkommnisse, die schnittigen Yachten, die Segler wohlvertäut, auch der Weg Richtung Moorlake ganz normal, ohne irgendeine Sensation. Aber dann:ein Segelboot, hart am Wind, mitten im einsetzenden Schneegestöber. Ist Reinhold Messner jetzt unter die Extremsegler gegangen?Hat die zuständige Behörde mit dem Sparen begonnen, den gewohnten motorbetriebenen Eisbrecher verkauft und sich einen preiswerteren Windjammer zugelegt?Oder bastelt da nur einer an einem modernen Sprichwort:Ein Segler macht noch keinen Sommer.

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