Berlin : Von Tag zu Tag: Falscher Alarm

Stephan Wiehler

Als wir diese Meldung aus dem Ticker zogen, waren wir doch erstaunt. "Die Zahl der in Berlin beschäftigten Beamten und Angestellten sank zwischen Mitte 1999 und Mitte 2000 um 2,5 Prozent auf 254 655", berichtete am Mittwoch die Deutsche Presse-Agentur mit Bezug auf eine Mitteilung des Statistischen Landesamtes.

Nur noch eine viertel Million Menschen sollen in der Hauptstadt abhängig beschäftigt sein? Was tun denn die übrigen rund 1,8 Millionen Erwerbspersonen, die noch im vergangenen Jahr von den Landesstatistikern gezählt worden sind? Haben die sich plötzlich alle selbstständig gemacht, oder machen die hier jetzt auf lau und hängen nur noch rum, vermutlich auf unsereiner Kosten, der sich hier tagein tagaus das Weiße aus den Augen schuftet? Doch damit nicht genug. Das Faulenzen scheint die Leute auch noch streitlustig zu machen. Weiter vermeldet die Agentur, "die Zahl der Richter stieg um 0,3 Prozent auf 86 609"!

Als wir zum Telefonhörer griffen, um die Statistiker zur Rede zu stellen, pochte uns der Puls schon schmerzend in den Schläfen. Unsere Volksseele kochte. Geduldig belehrten uns die Experten im Statistischen Landesamt: Die Zahl von 86 609 beziehe sich auf alle Beamten im Landesdienst, die Zahl der Richter habe sich zwar um 15 Prozent erhöht, doch seien es insgesamt nur 6154. Und schließlich versicherten uns die Statistiker, dass sich auch die Zahl der Erwerbstätigen insgesamt nicht so dramatisch verändert habe. Mit den 254 655 Beamten und Angestellten waren ebenfalls nur die Beschäftigten im Landesdienst gemeint. Auch die Agentur berichtigte sich kurz darauf. Wir konnten uns wieder beruhigt zurücklehnen.

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