Von Tag zu Tag : Falscher Platz?

Christian van Lessen wünscht sich mehr Spenden für die Gedächtniskirche

Christian van Lessen

Vielleicht waren die Spendenerwartungen zu groß. Den maroden, bröckelnden Turm der Gedächtniskirche auf dem Breitscheidplatz mit Spenden zu sanieren, ist offenbar schwerer als gedacht. Der Appell der Kirchenstiftung an die Berliner und ihre Gäste, Deutschlands berühmteste Ruine nicht dem Verfall preiszugeben, die Herzen sprechen und die Hände zum Portemonnaie greifen zu lassen, fand bislang nicht die erhoffte Resonanz. Fast unglaublich, dass ein so bewegendes Wahrzeichen, ein mahnendes Symbol der Geschichte, so ins gefühlte Abseits gerät. Die eingegangenen Spenden sind nicht unbedeutend, aber auch nicht gerade rühmlich für die Rettung eines international bekannten Postkartenmotivs. Ein Geschäftsmann aus Mitte, der die Spendenaktion unterstützt, erzählte gestern bei einem Gespräch in der Gedächtniskirche, oft fragten ihn Ortsunkundige, wo früher Ost- und West-Berlin gewesen seien. Ob man das noch erkennen könne. Er pflege dann spaßhaft zu sagen: Osten war da, wo es heute besser aussieht. Vielleicht steht die Gedächtniskirche am falschen Platz.

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