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Christian van Lessen widerruft die Rückkehr des Gesundbrunnens

Christian van Lessen

Was für eine Sensation, als sich kürzlich nach 120 Jahren die als versiegt und vergessen geglaubte Heilquelle des Gesundbrunnens den Weg nach oben bahnte in den Keller eines Mietshauses an der Weddinger Badstraße. Das Heilwasser, einst gepriesen als Mittel gegen Gliederreißen, Blähungen und Ohrenschmerzen, ließ sich offenbar nicht länger unterdrücken, sickerte und tropfte in den alten feuchten Keller und wartete nur noch darauf, als heilsames Wunder vom Gesundbrunnen in Flaschen abgefüllt und ans leidende Volk verteilt zu werden. Ein Hausbewohner, der die Quelle unter seiner Wohnung aufgespürt hatte, trank unter lebhafter öffentlicher Anteilnahme tapfer und zuversichtlich das gelbbraune Nass und fühlte sich – nicht schlechter. Auch wurden unverdächtige Laboranalysen zitiert. Dennoch ließen die Wasserbetriebe misstrauisch selbst das Wasser untersuchen, um jetzt zu verkünden: Die Quelle habe sich als dreckiges Grundwasser entpuppt, das in den Keller suppte. Der wahre Gesundbrunnen bleibe folglich einzig und allein das Berliner Trinkwasser aus dem heimischen Wasserhahn. Welch heilsamer Schock!

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