Von Tag zu Tag : Frühe Hasen

Elisabeth Binder über psychologische Herausforderungen im Spätwinter.

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Das wurde aber höchste Zeit. Gerade tobt die Saison der rheinischen, mainischen und alemannischen Karnevals-Folklore mit allerlei skurrilen Umzügen und in dieser Gegend der Welt seltsam kindisch anmutenden Maskenpartys ihrem Höhepunkt entgegen. Da geben Berlins Supermärkte all denen psychische Schützenhilfe, die ihren gewohnt preußisch-puritanischen Alltag gestört sehen. Auf Paletten und Regalen poppen endlich die goldenen Osterhasen auf als Zeugen dafür, dass dieser Spuk nun auch bald ein Ende hat.

Zwar wird die Zeit zwischen Karneval und Ostern gern für Bikini- und sonstige Diäten genutzt, im Kirchendeutsch auch „Fastenzeit“ oder „Sieben Wochen ohne“ genannt, aber so ein Schokohase ist ja ein Multitasker von Gnaden. Er fungiert nicht nur als Nervennahrung und Unterstützer des Jo-Jo-Effekts nach überstandenen Entbehrungen. Auch als Sparringspartner in Sachen Selbstdisziplin tut er gute Dienste. Wer ihn sich jetzt ins Regal stellt und gleichzeitig versucht, die seit Weihnachten unerreichbare Kleidergröße wieder einzuholen, kann täglich seine Widerstandsmuskeln trainieren.

Wer jedoch nicht zur überpünktlichen Vorratshaltung neigt und glaubt, das mit den Hasen sei mitten im Winter noch ein bisschen früh und übertrieben, irrt gewaltig. In Wirklichkeit sind die Hasen die neuen Personal Trainer in Sachen Willenskraft. Den Supermärkten sei Dank. Sie haben ihre Mitverantwortung für die psychische Gesundheit der Bevölkerung offensichtlich erkannt.

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