Berlin : Von Tag zu Tag: Frühlingsflitzer

Stephan Wiehler

Alle reden vom Wetter, aber keiner weiß Bescheid. Wie geht es weiter? Mündet dieser Frühling noch einmal in einen Winter oder läuft es, wie gewöhnlich, umgekehrt? Was können wir erwarten von einem Jahr, in dem Ende Januar die ersten Nackten durch den Grunewald flitzen und die ersten Zitronenfalter fliegen?

Auf die Wettervorhersagen ist wenig Verlass, was längerfristige Prognosen angeht. In den USA, dem Land der Freisinnigen mit den unbegrenzt verrückten Einfällen, vertraut man daher auf den Urteilsspruch von Nagetieren. Anfang Februar, am traditionellen Murmeltier-Tag, zerrt der Bürgermeister einer Kleinstadt in Pennsylvania zur allgemeinen Erheiterung das Murmeltier "Phil" aus einem Verschlag, weckt es aus dem Winterschlaf und hält es gegen das Sonnenlicht. Sieht das Tier seinen Schatten, gibt es noch mal sechs Wochen Winter. Andernfalls steht der Frühling vor der Tür.

Ein solches Spektakel würde sicher auch den Berlinern gefallen, natürlich sollte das Wetter von einem heimischen Tier geweissagt werden. Aber hat Klaus Wowereit die Kraft, Thilo, den Stadtbären gegen die Sonne zu halten? Besser, wir jagen einfach einen Flitzer über den Alexanderplatz. Und wenn bei ihm noch irgend etwas einen Schatten wirft, dann kann es so kalt nicht mehr sein. Dann ist der Frühling nicht mehr weit.

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