Von Tag zu Tag : Ganovenehre

Andreas Conrad erinnert an Muskel-Adolf und die Ringvereine

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Wer weiß schon noch was von „Muskel-Adolf“ und seinem „Geselligkeitsverein Immertreu“, der verlustreichen „Schlacht am Schlesischen Bahnhof“ vom 29. Dezember 1928, jener berühmt-berüchtigten Massenschlägerei zwischen einigen Berliner Ringvereinen und renitenten Hamburger Zimmerleuten? Ringvereine hießen die Standesorganisationen der Unterwelt, sie sorgten füreinander, und sei es nur, dass ihre Mitglieder im richtigen Moment das Maul hielten. Zum Beispiel in dem der blutigen Schlacht folgenden Prozess: Keiner hatte was gesehen, so dass das Verfahren für Immertreu-Boss Muskel-Adolf, der eigentlich Adolf Leib hieß, trotz der Toten und Schwerverletzten mit einer Bewährungsstrafe endete. So hielt man es eben mit der Ganovenehre, man kann das sogar besichtigen: in Fritz Langs „M – eine Stadt sucht einen Mörder“, bei dem Leib sich als Berater nützlich machen durfte. Ganovenehre – ein vergessenes Wort und ein untergegangener Wert. Heute wollen alle nur noch Kronzeugen sein, und auch eine Pokerbande ist nur ein Bund auf Zeit, solange er sich wirtschaftlich lohnt.

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