Von Tag zu Tag : Ganz schön alt

Lothar Heinke gratuliert der Stadt zum – aufgepasst – 825. Geburtstag

Lothar Heinke

In finsteren Zeiten kommt immer auch irgendeine Erleuchtung: Es werde Licht! sprach unser aller Chef im Roten Rathaus, und siehe: Die Stadt glüht, flirrt und flimmert. Atemberaubend. Aber das reicht noch nicht zur Seligkeit. Und so kommt, schwupps, die Meldung, dass sie auf dem Schlossplatz Reste eines Hauses gefunden haben, dessen Bauholz im Jahr 1183 gefällt worden sein soll. So ein Alter lässt sich exakt bestimmen, Dendrodatierung heißt die Methode. Und was sagt uns das? Berlins erste urkundliche Erwähnung 1237 ist für die Katz! Wir sehen ganz schön alt aus, exakt 825 Jahre, wenn wir mal der Uralt-Holzbohle glauben wollen. Die Häuslebauer von anno Tobak bescheren dem Senat quasi aus dem Hut der Historie einen runden Geburtstag und die Chance, rasch noch einmal die Festmeile zu aktivieren. Was jedes Kaff kann, können wir auch. Im Senat glühen die Drähte. Es eilt. Noch dieses Jahr trifft sich ganz Berlin, nein, Deutschland!, zur 825-Jahr-Feier am Brandenburger Tor. Die City wird mal wieder gesperrt. Es gibt Feuerwerk zur Currywurst-Party „be Berlin, be happy“. Natürlich einen großen Festumzug. Und die Festrede hält Marcel Reich-Ranicki. (Seite 10)

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