Von Tag zu Tag : Gaunerparadies

Andreas Conrad friert beim Gedanken an die polizeiliche Personaldecke.

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Das Nachtlager zu zweit, aber mit nur einer Bettdecke, ist eine verdrießliche Angelegenheit. Zieht sich der eine die Decke bis zum Nabel, kriegt der andere auf dem Rücken garantiert Gänsehaut. Und kuscheln sich beide bis zum Kinn ins Laken, gucken die Zehen bibbernd ins Freie. So ähnlich ist das mit den Spitzbuben und ihrer Polizei. Man kann sie sich, bildlich gesprochen, als uraltes Ehepaar vorstellen, einander in herzlicher Abneigung verbunden, Scheidung kommt nicht infrage, aber ihre Decke ist zu klein. Das heißt, genaugenommen ist es die Personaldecke der Polizei – ja, so nennt man das –, gehäkelt aus unzähligen Senats- und sonstigen Beschlüssen. Sie soll alle Kriminalitätsfelder abdecken, endlos etwas ranzustricken, wäre sicher auch keine Lösung, aber wenn an einer Ecke gezerrt wird, liegt am anderen Ende eben noch Verhülltes bloß. Mehr Beamte zur Bekämpfung der Autozündler? Die Sprayer lachen sich ins Fäustchen. Mehr Sicherheit auf den U-Bahnhöfen? Die Einbrecher haben Hochkonjunktur. Und widmet man denen wieder mehr Zeit, machen eben die Drogenhändler dicke Geschäfte – oder so ähnlich. Kurz: Einer friert immer. Doch anders als die abwechselnd fröstelnden Ehegatten freut er sich, unverhofft befreit von polizeilicher Fürsorge.

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