Von Tag zu Tag : Genussmenschen

Matthias Oloew freut sich über die Entschleunigung des Alltags

Matthias Oloew

Sten Nadolny fand daran schon vor über 20 Jahren Gefallen, er hat sogar einen Roman darüber geschrieben: Die Entdeckung der Langsamkeit. Das ist nach wie vor aktuell, gerade in Berlin gibt es offenbar immer mehr Menschen, die den Müßiggang für sich entdecken. Nein, nicht die Kunden von BVG und S-Bahn dürfen sich hier angesprochen fühlen, die sich den Luxus des Schienenersatzverkehrs leisten. Auch nicht die Autofahrer, die allmorgendlich gegen 7.30 Uhr den Stau auf der Rudolf-Wissell-Brücke genießen. Gemeint sind hier Menschen, die an liebgewonnen Traditionen festhalten. Dazu gehört das Trampen. Wie viel Zeit hat das früher gekostet! Irgendwer musste einen erstmal nach Dreilinden bringen, dann die Wartezeit, bis es endlich weitergeht. Das sind die wahren Genießer. Für sie spielt es keine Rolle, ob sie mittags oder abends ankommen, ob sie einen Tag mehr oder weniger an ihrem Zielort verbringen. Längst verblasste romantische Erinnerung? Weit gefehlt. Die „Deutsche Autostopp Gesellschaft“ lässt uns wissen: Deutschland ist ein ideales Tramperland. Na bitte.

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