Von Tag zu Tag : Geschenkt!

Matthias Oloew freut sich über Thilo Sarrazins Tempelhof-Offerte

Matthias Oloew

Geschenke sind ja nicht immer Ausdruck reiner Freundschaft. Das hat schon Vergil gewusst und Laokoon vor dem „Danaergeschenk“ fürchten lassen. Nun ist Thilo Sarrazin weder antiker Held noch Anführer eines feindlichen Volksstamms, aber seine am Sonnabend nicht ganz im Ernst vorgeschlagene Lösung im Streit um die Hauptstadtfinanzierung könnte die Haushälter im Bund an das antike Beispiel denken lassen. Der Finanzsenator machte dem Bund den Vorschlag, er könne den Flughafen Tempelhof ganz übernehmen; inklusive aller Folgekosten versteht sich. Damit wäre er ein weiteres Finanzproblem los und könnte sich in der Folge Gedanken darüber machen, was er als nächstes losschlägt, um seinen Haushalt zu entlasten. An volkstümlichen Vorschlägen mangelt es Sarrazin ja nicht. Ihm würden auch zwei statt drei Opernhäuser reichen, die defizitären Verkehrsbetriebe wäre er vermutlich auch lieber heute als morgen los, dann gibt es da noch Hunderte Landesliegenschaften mit hohem Sanierungsstau, die Schwimmbäder, die Schulen, die Kitas… Und am Schluss verschenkt Berlin Sarrazin. Als Problemlöser, na klar, und nicht als Danaergeschenk. (Seite 10)

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