Von Tag zu Tag : Geschenkt!

Christian van Lessen wünscht sich keine leeren Gabentische

Höchste Zeit, an Geschenke nicht nur zu denken, sondern sich im fast letzten Moment auch darum zu kümmern. Der gerade in Berlin so populäre Vorsatz, sich nichts zu schenken, höchstens vielleicht noch die Kinder mit Gaben zu beglücken, ist theoretisch gut gemeint, praktisch aber schlecht einzuhalten. Man mag die Enthaltsamkeit beim Geben und Nehmen mit noch so klugen Worten begründen, fehlende Kaufkraft beklagen und den Konsumzwang geißeln, an die dräuende Wirtschaftskrise, die Not in der Welt und auch vor der eigenen Haustür erinnern. Man mag fragen, wer überhaupt an die vielen einsamen Menschen denkt, denen niemand etwas schenkt, sehr oft nicht mal die geringste Beachtung. Alles stichhaltige Argumente, doch alles auch geschenkt: Bleibt der weihnachtliche Tisch in einer noch so kleinen Gemeinschaft ohne die kleinste Gabe, dürfte sich hinter mancher munteren und gelassenen Miene eine stille, tapfer ertragene Enttäuschung verbergen. Es gibt wohl keinen Menschen, der sich nicht über Geschenke freut. Das Leben selbst schenkt einem nichts, heißt es oft so bitter. Wer, bitte, soll aber dann was schenken?

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