Berlin : Von Tag zu Tag: Gesund feiern

Annette Kögel

Als Berlin noch bundeswehrfreie Zone war, brauchten Dienstunwillige in Restdeutschland noch keine Computersoftware, um sich erfolgreich zu drücken. Es gab schon damals Möglichkeiten, den Dienst an der Waffe zu umgehen. Die Sicherste: in diese Stadt umziehen. Wer das nicht wollte, machte bei den Tauglichkeitstests Theater. Wenig schlafen, viel Kaffee, damit die Pumpe ordentlich ackert. Oder Pillen einwerfen und schön schief schlendern: Wer noch nicht mal bei der Musterung Haltung bewahrt, wird im Ernstfall erst recht versagen. Nicht auszudenken, wie schlecht es um die Truppe und ihre Gefolgschaft stünde, wenn es diese CD-Rom früher gegeben hätte: "Krankheitssimulator".

Doch nun ist es auch schon wieder vorbei mit dem erfolgreichen Migräne-Simulieren und Psychose-Vorschützen - ob bei der Musterung oder am Arbeitsplatz. Denn die CD-Rom mit Tipps zum erfolgreichen Krankfeiern, die viele infizierte, wurde vom Markt genommen. Die Berliner Betriebskrankenkasse hat dem Oldenburger Verlag "Utech" Anstiftung zum Betrug vorgeworfen und den Fall sogar der Berliner Staatsanwaltschaft übergeben. Da fühlte sie die "Utech" ganz schlecht und zog die Scheibe zurück.

Die statistisch ermittelten 24 Krankheitstage im Jahr pro Berliner werden nun schnell auf bundesdeutsches Niveau schrumpfen, und damit wird es bald auch anderen besser gehen. Jenen Ärzten, die stapelweise Krankschreibungen für Simulanten ausfüllen mussten. Den Mitarbeitern der Krankenkassen, die wegen all der fingierten Vorgänge vor Überlastung stöhnten. All diese geplagten Zeitgenossen brauchen keine Krankheitssimulations-CD mehr.

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