Berlin : Von Tag Zu Tag: Globale Tragödie

Stephan Wiehler

Am Dienstagnachmittag, kurz vor 15 Uhr, rücken die Probleme Berlins plötzlich in die Ferne, werden ganz klein und unbedeutend angesichts der Wucht der Fernsehbilder. Die amerikanische Tragödie, die über alle Nachrichtensender verbreitet wird, übersteigt das Fassungsvermögen. Erst scheint noch ein rätselhafter Unfall möglich, dann räumen die Aufnahmen vom Anflug der zweiten Maschine alle Illusionen aus: ein Terroranschlag. . Innerhalb weniger Minuten erreichen die Schockwellen der Katastrophe auch Berlin. Noch während das Drama seinen Lauf nimmt, geht der Schrecken um die Erde. Wenige Minuten später stürzt ein weiteres Flugzeug auf das Pentagon in Washington.

Zum Thema Online Spezial: Terror gegen Amerika
Fotos: Der Anschlag auf das WTC und das Pentagon
Chronologie: Die Anschlagserie gegen die USA
Reaktionen: Weltweites Entsetzen
Hintergrund: Terrorangriffe auf Ziele der USA Die Leitungen nach New York sind überlastet, endlich erreichen wir den Chefredakteur der deutschsprachigen Exil-Zeitung "Aufbau". Feuerwehrsirenen heulen, ganz nah an seinem Büro. Er ist siebzig Blocks von der Katastrophe entfernt, doch er sagt, ganz Manhattan sei von den Explosionen erschüttert worden. Die Erschütterung ist in seiner Stimme, ebenso wie in den Stimmen von Amerikanern in Berlin.

"Ein unglaublicher Schock", sagt auch Steven Sokol, der stellvertretende Direktor des Aspen-Instituts, kurz vor 16 Uhr. Die Bilder erinnern ihn an Katastrophenfilme aus Hollywood, in denen Außerirdische die Welt angreifen. Aber dies ist kein Kino, und es nimmt kein Ende. "Es ist ein Wunder, dass die Türme des World Trade Centers noch stehen", sagt Steven Sokol. Augenblicke später stürzt der erste der beiden Wolkenkratzer ein - live, vor den Augen der Welt, verschwindet ein Symbol New Yorks. Die entsetzlichen Bilder erschüttern auch Berlin, nicht nur die mehr als 10 000 Amerikaner, die hier leben, sondern die ganze Stadt. New York ist plötzlich ganz nah, das Mitgefühl rückt ins Bewusstsein, wie klein die Welt ist.

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