Von Tag zu Tag : Gloria? Victoria!

Andreas Conrad wartet noch immer auf Obamas Rede am Brandenburger Tor

Andreas Conrad

Die Völker der Welt, sie schauen auf diesen Mann – so viel ist sicher. Und dass sie dies tun, verdankt der Herr Obama nicht nur, aber doch auch seiner Siegessäulen-Rede vom 24. Juli. Donnerwetter, haben sie sich da in den Metropolen des Globus wie noch im hintersten Prärie-Kaff zugeraunt, der Bursche bringt dort in der Ferne 300 000 Menschen auf die Beine, mehr als er es in der Heimat je geschafft hat. Berlin als Durchlauferhitzer des amerikanischen Wahlkampfs – derartigen Einfluss auf die US-Politik hatten wir hier nicht mehr, seit der Revolutionär Carl Schurz, der 1850 seinen Professor Gottfried Kinkel aus der Spandauer Zitadelle befreit hatte, in der US-Regierung zum „Secretary of the Interior“ aufstieg. Und man stelle sich vor, Obama macht tatsächlich das Rennen. Die Rede vor dem Brandenburger Tor, die er uns und dem Rest der Welt im Sommer noch schuldig bleiben musste, könnte ihm nun niemand mehr verwehren. Das Mindeste wäre dann, dass er unserer Victoria vom Großen Stern, seiner persönlichen Siegesgöttin, einen Riesenstrauß Blumen vorbeibringt, in Rot, Weiß und Blau.

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