Berlin : Von Tag zu Tag: Glück mit Möhre

Bernd Matthies

Wird uns Berlinern das Silvesterfest in diesem Jahr gelingen? Es stand auf der Kippe, nachdem Georg Gafron in einem Anfall postkommunistischer Depression alle Feierlichkeiten seines Senders abgesagt hatte - aber es gibt ja noch andere, die sich von Gysi und seinen roten Horden das Singen nicht verbieten lassen. "Möhre" zum Beispiel. Keine Ahnung, wer das ist - vermutlich bildet er zusammen mit Tomate und Broccoli die drei Gemüsetenöre. Aber er wird auftreten, wenn das Jahr am Brandenburger Tor von uns geht, und 2000 Künstler sollen es ihm nachtun. Um 14 Uhr hebt es an und dauert bis früh um fünfe, ein Ereignis, das mit dem Begriff "Mega-Event" nicht annähernd machtvoll genug zu beschreiben ist.

Halt! Jetzt nicht flüchten! Denn das Beste kommt ja erst noch. Ein Radiosender nämlich will auf seinen UKW-Frequenzen und von allen Bühnen ein Glückssignal senden - ein Frequenzgemisch, das bei den Hörern Glücksgefühle auslöst. Wie könnte das klingen? "Satisfaction", intoniert von der Marktmusikkapelle Stainz, während gleichzeitig die "Flippers" den Gefangenenchor aus Nabucco jodeln?

Na, war ja nur so ein Vorschlag. Wichtig ist, was hinten rauskommt, und das muss krass gute Laune sein. Denn wenn die Feier vorbei ist und die Lautsprecher abmontiert, dann ist der kommende Senat am Zuge und spart, dass es quietscht. Das ist garantiert kein Glückssignal.

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