Von Tag zu Tag : Grasmus, hü!

Andreas Conrad glaubt, dass der Eiserne Gustav sich irrte

Andreas Conrad

Hatte Gustav Hartmann, den alle den Eisernen Gustav nannten, einfach mehr Glück oder war sein Fuchswallach Grasmus weniger schreckhaft? Jedenfalls ist von dessen legendärer Kutschfahrt von 1928 (Berlin – Paris und zurück) kein solches Unglück bekannt, wie es jetzt einen hiesigen Droschkenkutscher ereilte. Unternommen hatte Gustav seine Reise unter anderem aus sentimentalem Protest gegen den Fortschritt, weil nämlich „das Pferdematerial im Aussterbeetat steht“, wie er an seinen Wagen schrieb. Man kann diesem Motiv glauben oder nicht, sehr weitsichtig war der wackere Herr aus Wannsee damit nicht. Das Ende der Pferdekutsche? Damals nicht und heute auch nicht, im Gegenteil. Dieses Fortbewegungsmittel scheint sich in der sommerlichen Berliner Innenstadt wie durch Zellteilung zu vermehren, daran wird ein einzelnes durchgehendes Gespann wenig ändern. Es ist also nur zu begrüßen, dass die Verwaltung diesmal dem Zeitgeist nicht hoffnungslos hinterhertrottet, sondern den verkehrstechnischen Anachronismus mit ein paar Regeln und Verordnungen zeitgemäß an die Kandare zu nehmen sich bemüht.

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