Von Tag zu Tag : Gurkentanne

Thomas Lackmann sucht den Baum mit gut aussehendem Charakter.

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Vor dem Advents-Countdown tauschen sich Traumatisierte in Betroffenengruppen aus: Paar Nr. 1 offenbart, wie man mit einem von Bio-Zweigen umwickelten Kerzenleuchter-Drahtgestell seinerzeit kreativ begonnen hatte, sich dann aber über den blinkenden Plastikbaum zur lebenden Riesentanne emanzipierte. Xmas 2012 sei es dann, begleitet von einer Zehn-Zentimeter-Synthetik-Fichte, an den Persischen Golf gegangen – nicht ohne zuvor ein Dankes-Fläschchen jenem Dealer vorbeizubringen, der die sperrige Pflanze alle Jahre am 23.12. vor Mitternacht vier Treppen hoch anzuliefern bereit gewesen war. Umso brutaler der Schock, als sich nun herausstellt, dass der Unersetzliche seinen Standort irgendwohin gewechselt hat!

Paar Nr. 2 gesteht wiederum, man gestalte das Thema autark, Stichwort Selberschlagen, das freilich führe zu Zerwürfnissen. Nachdem der Vater mit seinen Söhnen im Vorjahr unter dem Spott der Verkäufer – „Jetzt gehen die Gurken weg!“ – eine eher bizarre Trophäe erbeutet hatte, besteht nun Mutter darauf, als Selbstschlägerin ästhetische Kontrolle zurückzugewinnen. Ist die Baum-Anmutung ein Genderproblem? Muss das Teil nur gut aussehen oder eher durch charakterliche Wohlgeformtheit, seine innere Wachskerze, überzeugen? Schaun wir mal: Die Schönheit liegt im Auge des Betrachters.

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