Berlin : Von Tag zu Tag: Gut geölt

Andreas Conrad

Jetzt geht das Sparen richtig los, die Party fängt erst an. Geistesblitze genialer Geizkragen sind hoch gefragt, Hauptsache, sie rechnen sich. Ideen stellen sich geübten Sparkommissaren bereits durch bloßes Blättern in den Nachrichten des Tages ein. Etwa der über den jüngsten akrobatischen Auftritt der Polizei-Motorradstaffel unterm Funkturm. Ihre Spezialität ist ein fahrendes Zweirad mit angehängter Menschentraube. Die "Wanne" als traditioneller Mannschaftstransporter also nur ein lieb gewordener Luxus?

Doch blicken wir erst nach Albanien und in die hintersten Ecken Indiens: Dortige Eisenbahngesellschaften scheuen sich nicht, ihre Signale mit Öllampen zu illuminieren. Nun könnte man meinen, das sei eine nicht übertragbare Sonderheit unterentwickelter Regionen. Weit gefehlt! Die britische Eisenbahn macht es ebenso. "Seit 170 Jahren bewährt", preist man bei der Firma Railtrack die schon zu Zeiten der seligen Queen Victoria verwendete, gewiss auch in Straßenlaternen anwendbare Technik. Sie erfordert nur alle sieben Tage ein Befüllen der Ölbehälter - und gelegentliches Entzünden der vom Wind ausgeblasenen Flammen. Das dazu erforderliche Besteigen der Masten würde die Berliner Sektion des Deutschen Alpenvereins sicher gern und gratis erledigen, dankbar für jede Trainingsstätte. Sogar die Avus ließe sich mit dieser preiswerten Lösung wieder befeuern, von den Landebahnen des damit endlich finanzierbaren International Airport Berlin-Brandenburg ganz zu schweigen. Und das berühmte Gedicht Erich Mühsams, geschrieben übrigens 1907 in Friedrichshagen, gewänne mit Blick auf die rot-roten Koalitionäre prophetische Aktualität: "War einmal ein Revoluzzer, im Zivilstand Lampenputzer."

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