Berlin : Von Tag zu Tag: Halbmast in Spandau

Ekkehard Schwerk

Dass Spandau nicht Berlin ist, jedenfalls traditionell so tut - gut, gut, lasst man dem Kinde die Boulette. Man hat Spandau bei der Bezirksreform fürsorglich auch nicht das zugemutet, wozu das Prenzlauer Bergvolk als nun zu Pankowern gemacht, gezwungen wurde. Spandau blieb eben Spandau mit all seinen Drolligkeiten. Aber was fällt denen ein, geschlagene siebeneinhalb Wochen (seit dem 11. September) die Berliner Fahne überm Rathaus auf Halbmast flattern zu lassen! Nichts. Nichts fällt denen dazu ein. Die Spandauer Schlappschwänze kriegen das Ding einfach nicht hoch. Einmal, ganz kurz, hatte man es geschafft, aber - schiiiuuoopatsch - rutschte das Bärchen wieder ab. Sagt man jedenfalls im Rathaus bei dem für Fahne und Mast zuständigen Stadtrat.

Dahinter steckt natürlich eine havelstädtische Eigenart. Man will partout Berlin nicht auf der politisch höchsten Stelle des Bezirks, dem Rathausturm, zur Geltung bringen, und zeigen, woher der Wind weht. Die Rathauspolitik ist zu Spandau schon deswegen weniger als Kirchturmpolitik, weil nämlich der Turm von St. Nikolai (73,7 Meter) um 1,7 Meter höher ist als der des Rathauses. Das Mastversagen ein himmlischer Wink gegen Berliner Bevormundung?

Die Möglichkeiten des Rathaus-Hausmeisters und Fahnenwarts waren erschöpft. Nun sollten Klettermaxen anrücken, um den Spandauer Mast zu untersuchen, an dem die Berliner Fahne auf halbem Wege schlapp macht. Das aber kostet Geld. Und Geld ist nicht da. Und warum nicht? Weil Berlin keins rausrückt. So stehts. Und zwar auf Halbmast zu Spandau bei Berlin auf dem politischen Höhepunkt, deutlich unterm Kirchturmniveau von St. Nikolai.

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