Berlin : Von Tag zu Tag: Hammer und Sense

Bernd Matthies

Dies sind die Tage des Hammers. Ausgemustert das Florett, weggelegt die Fliegenpatsche - untaugliche, für zu leicht befundene Geräte, wenn es gegen einen übermächtigen Feind geht. In die schwielige Faust des Werktätigen gehört der Hammer, und die höchste Kunst der Verhandlung besteht darin, ihn dem Gegner in passender Form zu zeigen. Drunten in Vetschau bei Bombardier machen sie es so, dass er im Beratungsraum auf dem Boden liegt. Dann wird diskutiert, und was gegebenenfalls passiert, fasst dpa in knappen Worten zusammen: "Nehmen die Mitarbeiter ihn auf, ist die Zeit des Redens vorbei." Um damit auf den Tisch zu hauen? Nein: Auf den kommen die Vorschläge. Liegen in neun Tagen keine drauf, so raunt ein Metaller, "zeigen wir Bombardier, wo der Hammer hängt".

Ja, was denn nun? Eben lag er noch auf dem Boden, dann in drohender Arbeiterhand, nun hängt er. Aber wo? Fragen wir die Mutter von Claudia Pechstein, die seit der Medaille angeblich "Gold-Pechi" heißen soll. "Claudia wollte in diesem Rennen unbedingt zeigen, wo der Hammer hängt", sagt die Mutter, "und sie hat gezeigt, dass er sehr hoch hängt." Das ist ja der Hammer: Drunten in Vetschau wollen sie zeigen, wo er hängt, und bemerken nicht einmal, dass er längst in Salt Lake City hängt, und zwar sehr hoch. Zu hoch für Bombardier?

Seien Sie demnächst wieder dabei, wenn der Finanzsenator uns zeigt, wo die Sense liegt. Wir vermuten: ziemlich weit unten.

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