Berlin : Von Tag zu Tag: Hawaiian Style

Andreas Conrad

Zu den hauptstädtischen Herausforderungen, an die wir uns allmählich gewöhnen, gehört die Kleidungsfrage bei den vielfältigen festlichen Anlässen, mit denen das einst so beschauliche Spree-Städtchen Woche für Woche überzogen wird. Früher scherte man sich darum nicht sonderlich, würgte sich einen Schlips um oder auch keinen, selbst als modischer Schluri fiel man kaum auf. Heute ist alles anders, fast möchte man meinen, die Hauptstadt sei zunächst einmal eine Inszenierung der Schlips-Industrie.

Dennoch, es bleiben Fragen, Momente akuter Unsicherheit, denn nur eines ist gewiss: Schlipse sind garantiert nicht gefragt. Zum Beispiel die Premierenfeier zu "Pearl Harbor" Anfang Juni im Hangar 2 des Flughafens Tempelhof, unter Anwesenheit von Regisseur Michael Bay und anderen Filmschaffenden. Keine Feier im herkömmlichen Sinne, nein, vielmehr eine "Hawaiian Reception", wie die Einladung verheißungsvoll verspricht. Das hat Folgen für die Kleidung, und wer das nicht von selbst kapiert, dem hilft man schwarz auf weiß weiter: "Sommerlich - Hawaiian style". So weit, so gut, doch was bedeutet das: Vor dem Angriff oder danach? Mit Hawaii-Hemd, womöglich dem berühmten von Elvis the Pelvis, orange mit Palmenmuster, das dieser Tage von einem Modeversand wieder neu geschneidert und vorne auf den Katalog gedruckt wurde? Oder doch lieber mit Tarnkleidung, derzeit ja der letzte Schrei? Und, meine Damen, was tragen Sie? Bikini? Baströckchen unten, Blütenkränze oben? Unser Tipp: Halten Sie es wie einst France Gall: "Zwei Apfelsinen im Haar und an den Hüften Bananen". Jedwede Aufmerksamkeit ist Ihnen sicher, und alle jauchzen: "Oh, what a lovely war!"

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar