Von Tag zu Tag : Heiß auf Ware

Stephan Wiehler regt für den Advent einen Ablasshandel an

Das Gedränge in den Geschäften war am zweiten Adventssonntag größer als am ersten. Die Männer in den roten Roben – nein, nicht die Weihnachtsmänner, sondern die Karlsruher Verfassungsrichter – scheinen die Kauflust noch zu steigern. Der Urteilsspruch verleiht dem Konsumrausch den Reiz des Grundgesetzwidrigen, das macht die Kunden im anarchischen Berlin nur heißer auf die Ware. Der Handel frohlockt – frei nach Ablasshändler Tetzel: Wenn der Gülden am Adventssonntag in der Kasse klingt, im Hui die Seel’ im Himmel springt. Der Teufel kauft Prada, und zwar am liebsten zum Glockengeläut am Tag des Herrn.

Die Kirchen sollten das bedenken, wenn sie demnächst mit dem Senat über die Neuregelung des Sonntagsverkaufs verhandeln werden. Und dabei ihre eigene Geschäftstüchtigkeit unter Beweis stellen. Auch über verkaufsoffene Adventssonntage könne man reden, das haben katholische und evangelische Kirche bereits signalisiert. Bleibt nur die Preisfrage: Wie wär’s mit zwei – für einen zusätzlichen christlichen Feiertag. Das wäre ein Deal. Wenn nur Jesus, der Störenfried, nicht in die Verhandlungen platzt und den Wechseltisch umstößt.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben