Berlin : Von Tag zu Tag: Heiße Abstimmung

Gerd Nowakowski

War es gestern einfach viel zu heiß? Heraus zum 1. Mai, so hieß am Arbeiterkampftag früher für Aktivisten der Alternativen Liste die Parole - und die Pflicht zur Demonstration. Lange her. Heute gilt: Stell dir vor, es ist Regieren angesagt - und die Basis der Grünen geht nicht hin. Jedenfalls nicht in ausreichender Zahl, um eine Mitgliederversammlung zu beginnen. Nach der Satzung wären dafür 503 Mitglieder notwendig gewesen. Die aber waren auch nach fast zwei Stunden Warterei nicht zusammengekommen. Das ist die Stunde der Satzungspezialisten: Also wurde die Landesmitgliederversammlung formal geschlossen und eine Landesdelegiertenkonferenz einberufen. Dafür braucht es weniger Anwesende.

Alles prima! Alles prima? Wollen die Bündnisgrünen noch ernst genommen werden? Die CDU nominiert Frank Steffel im Konfettiregen einstimmig zum Spitzenkandidaten, die SPD steht geschlossen hinter Klaus Wowereit und wird am heutigen Sonntag voraussichtlich ohne Gegenstimme das Wahlprogramm verabschieden - und die Bündnisgrünen können nicht einmal ihre eigenen Mitglieder mobilisieren.

Schon aufgegeben? Die Grünen wollen im Regierungszug mitfahren, doch selbst der Kauf der Bahnsteigkarte ist vielen Aktivisten inzwischen zu mühsam. Oder liegt es an den Angeboten? Mancher bangt, ob das grüne Spitzenpersonal mithalten kann beim Wahlkampf zwischen Steffel, Wowereit und Gregor Gysi. Jeder dritte Anhänger der Grünen kann sich den PDS-Alleinunterhalter auch als Regierenden Bürgermeister vorstellen, ermittelte Infratest kürzlich. Wenn die Spitzenleute der Grünen schon die eigenen Mitglieder nicht mitreißen und begeistern können, wen dann? Heiße Fragen - von den Mitgliedern gestern ganz kühl beantwortet?

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