Von Tag zu Tag : Heißes Eisen

Andreas Conrad versucht nicht länger, chinesisch mit Stäbchen zu essen

Andreas Conrad

Was drei Chinesen mit nur einem Kontrabass anfangen könnten, war schon immer rätselhaft. Aber da sie nur plaudernd auf der Straße saßen, musste man sich um derlei fernöstliche Eigenheiten nicht sonderlich grämen. Mittlerweile ist der Durchschnittschinese mit hölzernem Spielzeug nicht länger zufriedenzustellen. Er verlangt nach Eisernem, am besten so hart wie Krupp-Stahl, hätte man früher gesagt – eine Redensart, die schon deswegen nicht mehr trifft, weil hiesigen Stahlkochern und -händlern der begehrte Rohstoff vom ehemaligen Reich der Mitte vor der Nase weggeschnappt wird. Man stelle sich lieber nicht vor, wie Wilhelm II. auf diese gelbe Gefahr – so hätte er es wohl genannt – heute reagieren würde. Wahrscheinlich wieder mit einer Hunnenrede und hinterher dem Befehl, ein chinesischer Sühneprinz habe für die maßlose Gier nach Eisen im Staube der deutschen Hauptstadt Abbitte zu leisten. Das geht heute nicht mehr, auch wir müssen der Globalisierung Opfer bringen. Aber ob wir uns beim nächsten Besuch eines China-Restaurants höflich weiter mit Stäbchen abmühen oder schroff Messer und Gabel verlangen, sollte sich jeder gründlich überlegen.

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