Von Tag zu Tag : Holzköpfe

Gerd Nowakowski fragt sich, woher in Berlin der Hass auf alles Schöne kommt

Gerd Nowakowski

Geradezu rührend, diese Idee. Der Verein Baufachfrau hat fünf Bäume aus dem Grunewald nach Prenzlauer Berg geschafft – und daraus einen Bücherwald gemacht. In der Sredzkistraße stehen seit einer Woche nun dicht bei dicht die Kiefern- und Birkenstämme, mit Vertiefungen und nett gearbeiteten Türchen davor. Jeder Anwohner, so die Idee, soll Bücher hineinstellen oder herausnehmen können, von Krimis bis zu Kochbüchern – Gratis-Literatur im Vorbeigehen sozusagen. Und gelebte Nachbarschaft dazu.

Viel zu naiv, die Idee. Denn schon nach vier Tagen waren die Türchen von Holzköpfen zerschlagen, die Bücher herausgerissen, die Vertiefungen mit Müll gefüllt. Das schmerzt – nicht nur die Baufachfrauen. In Bonn, sagen sie, funktioniert ein solches öffentliches Bücherregal schon seit zwei Jahren.

Es sind die kleinen Dinge, die zuweilen viel über die Stadt und ihre Menschen erzählen. Welcher Hass auf die eigene Umgebung muss jene antreiben, dass jedes Schöne sogleich zerschlagen werden muss. Was ist los in dieser Stadt? Haben Sie eine Erklärung? Schreiben Sie uns: berlin@tagesspiegel.de

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