Berlin : Von Tag zu Tag: Im Abstiegskampf

Bernd Matthies

Wieder so ein Angliszismus, aber unersetzbar: Ranking. Ein Vorgang, an dessen Ende die definitive Tabelle steht. Wer kocht die fetteste Gänseleber? Wer tauscht am schnellsten Herz und Lunge aus? Wer ist der schlechteste Sinologie-Dozent? Dieser Stoff ist so erfolgreich, dass viele Untersuchungen praktisch laufend vorgenommen werden, um zum Beispiel immer sagen zu können, welche Stadt gerade die schönste ist. Nichts darf dabei vergessen werden, jedes Detail spielt eine Rolle. Dallas z.B.: gute Verkehrsanbindung, aber hohes Hinrichtungsrisiko. Oder Mombasa: Hochsommerliches Klima, aber Polizeinotruf ständig belegt.

Schwer, das in eine Tabelle zu pressen. Die Kollegen von "Focus", Deutschlands Nummer 1 unter den Ranking-Magazinen, haben es jetzt einmal wieder mit Deutschland versucht, dessen Städte ja leichter vergleichbar sind. Hamburg auf Platz 1 - das wird allenfalls die Münchener ärgern. Herne als Schlusslicht ist schon gemeiner. Was kann die harmlose Stadt dafür, dass andere Kandidaten, sagen wir: Iserlohn, wegen ein paar Einwohnern weniger einfach nicht mehr auf die Liste gekommen sind?

Ja, und Berlin? Platz 8, was wir hier natürlich mit größter Besorgnis sehen. In der Lebensqualität geschlagen von Duisburg, in der Wirtschaftskraft hinter Reutlingen, im Zukunftspotenzial von Mainz und Oldenburg abgehängt - da schüttelt es uns natürlich, zumal die drohende Zusammenlegung der Opernorchester garantiert noch einmal fünf Plätze kostet. Wo sind Ihre Konzepte gegen den Abstieg, Herr Diepgen?

Wenn Sie uns fragen: Wir führen sofort die Kehrwoche ein. Denn Stuttgart hat die beste Lebensqualität, nicht wahr?

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