Berlin : Von Tag zu Tag: Im Dschungel

Christian van Lessen

Ist das nicht schon das richtige Wetter für Frühlingsgefühle? Oder für Geräusche, die zum Frühling gehören? Wir hören morgens das Gezwitscher, das zu wärmeren Zeiten gehört. Noch wispert es in den Ästen, zaghaft und verstohlen. So, als ob sich die Vögel selbst noch nicht sicher wären, ob sie überhaupt schon dürften wie sie wollten.

Dann sind, in einigen Ecken von Berlin, weitere Geräusche zu hören, die nicht an Hasen-, Wuhl- oder Jungfernheide, Rehberge oder Spandauer Forst erinnern, sondern eher an Urwald. Zumindest sind es Geräusche, die das Gefühl vermitteln, mitten im Dschungel zu sein - wie sich die Phantasie ihn schön malt. Grün, von Lianen umschlungen, und dem steten Geschrei und Gezeter bunter, höchst exotischer Vögel ausgesetzt.

Was sind das bloß für Töne? Ein klapperndes Geschnarr im Stakkato wie von einer unbekannten Papageienart. Oder von einem Tier mit großer Klappe, die gurgelnd knarzend-metallene und rasselnde Töne von sich gibt. Sie klingen nicht schön, aber interessant. Das Geräusch war im letzten Frühling zu hören, lang und ausdauernd, über Stunden. Der geheimnisvolle Knarzer blieb unsichtbar, unerkannt. Viele Leute, die das hörten, rätselten über das Urwald-Tier.

In diesen Tagen ist es wieder zu hören. Und es wurde gesichtet. Nicht in den Bäumen, sondern an den Sprossen jener Antennen, die das Mobilfunknetz über die Stadt gestreut hat. Wer genau hinschaut, sieht oben mit Inbrunst Spechte hämmern. Die Vögel gehen mit der Zeit. Und das Metall der Antennen singt ihr Lied mit, eine einzigartige Sinfonie. Sie hängt mit Fühlen, Schmecken und vielleicht auch Freude zusammen: Sie hat mit Frühling zu tun. Schon jetzt.

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