Von Tag zu Tag : Im Ghetto

Stephan Wiehler schickt seine Kinder auch nicht in Kreuzberg zur Schule

Stephan Wiehler

Weltoffen und tolerant, damit wirbt der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit gern für Berlin. Ein schöner Traum: Das friedliche Miteinander aller Berliner, egal, welcher Herkunft und Religion, am liebsten von Kindesbeinen an, damit Vorurteile erst gar keinen Platz in den Köpfen finden. Schön wär’s. Die Berliner Wirklichkeit sieht anders aus. Spätestens, wenn das Einschulalter der eigenen Kinder näherrückt, verlassen Eltern mit Bildungsanspruch die Migrantenkieze in Kreuzberg, Wedding oder Nord–Neukölln – oder melden sich zum Schein in Stadtteilen mit geringer Einwandererquote an. Niemand möchte seinen Kindern die verbreiteten Sprachdefizite und Lernprobleme zumuten. Wer will es ihnen verdenken? Die später zurückgenommene Bemerkung Wowereits, er selbst würde eigene Kinder, so er welche hätte, nicht in Kreuzberg zur Schule schicken, bleibt in der Welt. Und erzwingen, das zeigt das jüngste Beispiel in Mitte, lässt sich eine gesunde Schülermischung nicht. Es wäre schon viel gewonnen, wenn der Bildungssenator die Realität anerkennte – statt den Schulen in schwierigen Kiezen weiter Lehrer zu entziehen und die Ghettoisierung damit fahrlässig voranzutreiben.

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